England
England Roadtrip
Nachdem wir zwei Tage in London verbracht hatten, freute ich mich ehrlich gesagt schon wieder auf das, was ich am meisten liebe – das Meer, kleine Dörfer und das Landleben.
Hier kommt ihr zum Beitrag über London. Schottland hatte mich zuvor vollkommen begeistert und ich fragte mich die ganze Zeit, ob England dieses Gefühl ebenfalls vermitteln könnte. Heute kann ich sagen: Ja, aber auf eine ganz andere Art. Beide Länder haben viele Gemeinsamkeiten – die grünen Hügel, die herzlichen Menschen und die Liebe zur Geschichte. Und doch besitzt jedes seinen ganz eigenen Charakter. England wirkte auf mich etwas sanfter, gemütlicher und fast schon romantisch. Genau das machte den Roadtrip so besonders.
Ouse Valley Viaduct
Unser erster Stopp führte uns zum Ouse Valley Viaduct. Mitten in der ruhigen Landschaft ragen die alten Backsteinbögen aus den grünen Wiesen empor und wirken fast wie aus einer anderen Zeit. Es war unglaublich still. Während wir zwischen den gewaltigen Säulen hindurchliefen, streifte plötzlich ein Fasan durch das hohe Gras und verschwand wenig später wieder zwischen den Wiesen. Die Sonne schien, kaum ein Mensch war unterwegs und genau diese Ruhe machte den Ort so besonders. Wer möchte, kann sogar vorsichtig zwischen den Bögen hinaufklettern und das Viadukt aus einer ganz anderen Perspektive erleben. Ein wunderschöner Auftakt für unseren England-Roadtrip.
Seven Sisters
Die Seven Sisters gehören ohne Zweifel zu den schönsten Orten, die wir in England besucht haben. Schon der Weg dorthin ist traumhaft. Man läuft über einen schmalen Pfad vorbei an grünen Wiesen, auf denen Kühe grasen, bis sich plötzlich die weißen Kreidefelsen vor einem öffnen. In diesem Moment fühlt man sich tatsächlich wie mitten in einem Film. Die Landschaft erinnerte mich sofort an die Verfilmung von Sanditon, die genau diese romantische Küstenstimmung einfängt.
Wir stiegen später noch hinunter an den Steinstrand, setzten uns zwischen die runden Kiesel, lauschten den Wellen und betrachteten die gewaltigen weißen Klippen aus nächster Nähe. Es gibt Momente, in denen man einfach nichts sagen muss – dieser gehörte definitiv dazu. Für mich zählen die Seven Sisters zu den schönsten Klippen, die ich jemals gesehen habe.
Auf dem Rückweg begegneten uns die ersten Schafe. Ich weiß nicht warum, aber genau solche Momente liebe ich an Großbritannien. Überall liegen kleine Herden auf den grünen Wiesen, völlig entspannt, während im Hintergrund das Meer rauscht. Für mich ist dieser Anblick schöner als jede Skyline einer Großstadt und genau das macht diese Länder für mich so besonders.
Old Harry Rocks
Kaum hatten wir die Seven Sisters hinter uns gelassen, wartete schon das nächste Naturhighlight auf uns. Die Old Harry Rocks sind mindestens genauso beeindruckend. Die weißen Kreidefelsen ragen majestätisch aus dem Meer, dazwischen erhebt sich ein gewaltiger natürlicher Torbogen, während weitere Felstürme aus den Wellen hervorschauen.
Auch hier nahmen wir uns bewusst Zeit, setzten uns an die Klippen und beobachteten einfach nur das Meer. Genau diese Ruhe begeistert mich an England. Die Natur wirkt unberührt, der Wind trägt den Duft des Meeres über die Klippen und man merkt schnell, wie entschleunigend diese Landschaft ist. Bereits die ersten Tage zeigten uns die wahre Schönheit Südenglands.
Dartmouth
Dartmouth ist eines dieser kleinen Hafenstädtchen, in denen man sofort länger bleiben möchte. Alte Steinhäuser ziehen sich den Hang hinauf, bunte Fassaden spiegeln sich im Wasser und kleine Boote schaukeln gemütlich im Hafen.
Besonders empfehlen können wir das kleine Café The Singing Kettle. Dort gönnten wir uns eine klassische englische Tea Time mit frisch gebackenen Scones, Clotted Cream, Marmelade und einer Kanne Tee. Ehrlich gesagt hätte ich dort noch Stunden sitzen können. Genau solche kleinen Cafés machen England für mich aus – gemütlich, herzlich und voller Charme.
St. Michael’s Mount
Eigentlich führte uns der Weg gar nicht nach St. Michael’s Mount, sondern davor. Schon der Blick vom Strand auf die kleine Insel war beeindruckend. Mitten im Meer liegt das kleine Dorf und nur ein schmaler Weg aus Steinen verbindet es mit dem Festland. Doch dieser Weg gehört dem Meer genauso wie den Menschen.
Als wir ankamen, war nur noch ein Teil des Steinwegs zu sehen. Während wir dort standen, verschlang die Flut ihn langsam immer weiter, bis das Meer ihn Stück für Stück wieder zurückholte und unter den Wellen verschwinden ließ. Es war faszinierend, dieses Schauspiel mit eigenen Augen zu beobachten. Ein Weg, der nur dann existiert, wenn die Gezeiten es zulassen.
Ich finde, dieser Ort hat etwas unglaublich Magisches. Ein Dorf mitten im Meer, das nur erreichbar ist, wenn das Meer es erlaubt. Es wirkt fast wie aus einer alten Sage – als würde die Natur selbst entscheiden, wann man diesen besonderen Ort betreten darf. Poetisch vielleicht, aber genau so hat es sich in diesem Moment angefühlt.
Land’s End
Am westlichsten Punkt Englands angekommen, merkt man schnell, warum Land’s End seit Jahrhunderten Menschen fasziniert. Früher war dieser Ort für Seefahrer das sprichwörtliche Ende der bekannten Welt, bevor sie sich auf den Atlantik hinauswagten. Heute führt ein schöner Küstenweg entlang der Klippen und eröffnet immer wieder beeindruckende Ausblicke auf das Meer. Sogar bekannte Persönlichkeiten wie James May waren bereits hier unterwegs und erkundeten die raue Küste.
Ein kleines Highlight ist das alte Schiffswrack der RMS Mulheim, das unterhalb der Klippen liegt. Um dorthin zu gelangen, folgt ihr dem Küstenpfad Richtung Sennen Cove, dort wo einst die Ruine stand könnt ihr die Wiese hinunterlaufen und seht von den Klippen aus an das Schiff. Dort liegen noch heute die Überreste des Frachtschiffs, das 2003 hier auf Grund lief. Zwischen den Felsen zu stehen und die gewaltigen Stahlteile zu sehen, die sich langsam die Natur zurückholt, war eine wirklich beeindruckende Erfahrung.
St Ives
In St Ives habe ich mich tatsächlich ein kleines bisschen verliebt. Eigentlich wollten wir nur kurz durch die Stadt laufen, am Ende verbrachten wir dort mehrere Stunden. Es gibt Orte, die einen sofort in ihren Bann ziehen – und St Ives gehört definitiv dazu.
Die kleinen Gassen sind voller liebevoll eingerichteter Geschäfte, Galerien und Cafés. Überall gibt es selbstgemachten Fudge in den unterschiedlichsten Sorten und man entdeckt ständig neue kleine Läden, in denen man am liebsten alles kaufen würde.
Mitten in der Stadt liegt dann plötzlich dieser wunderschöne Strand mit feinem, fast weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Kaum zu glauben, dass man sich noch immer in England befindet. Mit etwas Glück kann man hier sogar Robben beobachten, die neugierig ihren Kopf aus dem Wasser strecken.
Ein kleiner Weg führt hinaus zum Leuchtturm, von wo aus man einen traumhaften Blick über die gesamte Bucht hat. Besonders schön fanden wir auch die kleine Kirche mitten in der Stadt eingerahmt von riesigen australischen Palmen. Ein Einheimischer erzählte uns, dass er diese Palmen schon seit seiner Kindheit wachsen sieht. Genau solche Begegnungen machen eine Reise für mich besonders.
Die Menschen in St Ives wirken unglaublich herzlich und zufrieden – und ehrlich gesagt kann ich das vollkommen verstehen. Zwischen Meer, Strand und dieser wunderschönen Stadt würde ich wahrscheinlich genauso glücklich sein. Für mich war St Ives ohne Zweifel das schönste Städtchen unseres gesamten England-Roadtrips.
Ilfracombe
Eigentlich war Ilfracombe nur als Übernachtungsort geplant. Umso überraschter waren wir, als wir am Abend noch eine kleine Runde durch die Stadt drehten.
Mit unserem Essen setzten wir uns zunächst auf einen kleinen Hügel oberhalb des Hafens. Vor uns lag die gesamte Bucht mit ihren bunten Häusern, den kleinen Booten und den Palmen entlang der Promenade. Für einen kurzen Moment fühlte es sich überhaupt nicht nach England an, sondern eher wie ein kleines Hafenstädtchen irgendwo am Mittelmeer oder sogar in der Karibik.
Auch der Hafen selbst ist wunderschön angelegt und die vielen traditionellen Pubs verleihen der Stadt eine unglaublich gemütliche Atmosphäre. Manchmal sind es genau diese Orte, von denen man vorher kaum etwas erwartet und die einen am Ende am meisten überraschen.
Bath
Für alle, die Geschichte oder englische Literatur lieben, ist Bath ein absolutes Muss. Die Stadt wurde bereits von den Römern gegründet und ist bis heute für ihre historischen Thermalbäder bekannt. Gleichzeitig ist sie eng mit Jane Austen verbunden, die hier einige Jahre ihres Lebens verbrachte und deren Werke bis heute das Stadtbild prägen.
Natürlich musste ich deshalb auch in die wunderschöne Buchhandlung der Stadt. Dort lag sie plötzlich vor mir – Pride and Prejudice in der englischen Originalausgabe. Ich hatte das Buch bis dahin tatsächlich noch nie auf Englisch gelesen. Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Wahl. Wie hätte ich Bath verlassen sollen, ohne genau dieses Buch mitzunehmen?
Doch auch unabhängig von Jane Austen begeistert Bath auf ganzer Linie. Die honigfarbenen Steinhäuser, die berühmte Royal Crescent, der Circus mit seinen kreisförmig angeordneten Stadthäusern und die römischen Bäder machen die Stadt zu einer der schönsten in ganz England. Man hat das Gefühl, durch ein Freilichtmuseum zu laufen – nur dass hier überall Menschen leben.
Prior Park Landscape Garden
Nur wenige Minuten außerhalb von Bath liegt der Prior Park Landscape Garden, einer der schönsten Landschaftsgärten Englands. Am bequemsten erreicht ihr ihn mit dem Bus. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann aber auch in den Wohnstraßen oberhalb des Parks parken und den kurzen Fußweg hinunter zum Eingang nehmen.
Wir waren direkt zur Öffnung dort und hatten den Park fast komplett für uns allein. Schon nach wenigen Schritten versteht man, warum dieser Ort so beliebt ist. Weite Wiesen, alte Bäume und mittendrin die berühmte Palladian Bridge, die sich elegant über den kleinen See spannt.
Der Garten diente bereits mehrfach als Filmkulisse und sobald man dort steht, versteht man sofort warum. Alles wirkt wie aus einem historischen Liebesfilm entsprungen. Hier wurde auch eine Szene der Serie „Bridgerton“ gedreht. Je später der Tag wird, desto voller wird es allerdings. Deshalb können wir nur empfehlen, möglichst früh dort zu sein.
Castle Combe
Castle Combe ist wahrscheinlich eines der idyllischsten Dörfer, die wir je besucht haben. Es gibt keine großen Attraktionen, keine Souvenirläden und auch keine riesigen Parkplätze. Genau das macht seinen Charme aus.
Über eine kleine Brücke gelangt man ins Dorf, vorbei an einem Bach und den berühmten alten Cottages aus Naturstein. Alles wirkt unglaublich ruhig und wunderschön.
Bitte denkt daran, dass Castle Combe keine Großstadt für Touristen ist. Hier leben ganz normale Menschen. Gerade deshalb sollte man respektvoll mit dem Ort umgehen, keinen Müll hinterlassen und die Privatsphäre der Bewohner achten. Genau dadurch bleibt Castle Combe hoffentlich noch lange so wunderschön, wie wir es erleben durften. Es ist ein richtiger kleiner Geheimtipp im Moment noch, denn wir waren beinahe ganz alleine an diesem Abend dort.
Bibury
Nur wenige Kilometer weiter liegt Bibury das mit seinen traditionellen Steinhäusern überzeugt bekannt. Ein kleiner Fluss fließt mitten durch den Ort und wird von mehreren niedrigen Steinbrücken überspannt. Direkt am Wasser befinden sich Cafés, Hotels und Restaurants – darunter auch das bekannte The Swan Hotel, das dem Ort seine typische Postkartenkulisse verleiht.
Natürlich ist Bibury wunderschön. Trotzdem muss ich ehrlich sagen, dass es mich nicht so sehr begeistert hat wie Castle Combe. Während Castle Combe ruhig und ursprünglich wirkt, war Bibury bei unserem Besuch sehr voll. Für mich persönlich war der Ort deshalb etwas zu überlaufen und ehrlich gesagt ein wenig overhyped. Sehenswert ist er trotzdem – aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich jederzeit wieder Castle Combe wählen.
Hawkstone Brewery
Als großer Fan von Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May durfte ein Besuch der Hawkstone Brauerei natürlich nicht fehlen. Seit Jahren verfolge ich Top Gear, The Grand Tour und natürlich auch Clarkson’s Farm. Umso schöner war es, endlich einmal auf den Spuren von Jeremy und Caleb unterwegs zu sein.
Schon beim betreten der Brauerei fällt das große Bild der beiden über den Köpfen der Gäste auf. Draußen laden ein großes Festzelt und gemütliche Sitzplätze zum Verweilen ein. Direkt daneben steht ein Foodtruck, der leckere Burger serviert – die perfekte Ergänzung zu den verschiedenen Hawkstone-Bieren.
Marci musste an diesem Tag noch fahren und probierte deshalb nur einen kleinen Schluck. Den Rest überließ er kurzerhand mir. Was wir allerdings beide vergessen hatten: Wir hatten den ganzen Tag kaum etwas gegessen und die Sonne brannte ununterbrochen vom Himmel. Nach den zwei wirklich leckeren Bieren war ich dementsprechend deutlich fröhlicher als geplant. Im Nachhinein können wir beide herzlich darüber lachen – und genau solche kleinen Geschichten bleiben am Ende oft am längsten in Erinnerung.
Bourton-on-the-Water Motoring Museum
Nur wenige Minuten von der Brauerei entfernt liegt Bourton-on-the-Water. Eigentlich wollten wir dort nur ein wenig durch die hübschen Gassen schlendern und die kleinen Steinbrücken über den Fluss genießen. Als wir das Cotswold Motoring Museum entdeckten, entschieden wir uns spontan hineinzugehen.
Ich muss ehrlich gestehen: Ich hatte selten so viel Spaß in einem Museum. Vielleicht lag es ein kleines bisschen daran, dass ich nach den Hawkstone-Bieren noch ausgesprochen gut gelaunt war – vielleicht aber auch einfach daran, dass ich Autos liebe.
Von historischen Fahrrädern über wunderschöne Oldtimer bis hin zu alten Motorrädern, Werbeschildern und originalen Telefonaufnahmen früher Rennfahrer gibt es hier unglaublich viel zu entdecken. Das Museum schafft es, Automobilgeschichte lebendig werden zu lassen und eignet sich nicht nur für Autoliebhaber, sondern für die ganze Familie. Für leicht angeheiterte Besucher funktioniert es allerdings ebenfalls hervorragend.
Diddly Squat Farm Shop
Am nächsten Morgen ging unser kleines Clarkson-Abenteuer weiter. Natürlich durfte ein Besuch im Diddly Squat Farm Shop nicht fehlen.
Als wir ankamen, wunderte ich mich zunächst über den Einweiser auf dem Parkplatz. Warum braucht man hier jemanden, der den Verkehr regelt? Es ist doch fast nichts los.
Wir waren gerade einmal dreißig Minuten nach der Öffnung dort.
Als wir wenig später noch einmal in den Shop zurückmussten, weil ich etwas vergessen hatte und wir wieder rauskamen, verstand ich den Grund sofort. Über den gesamten Parkplatz zog sich mittlerweile eine riesige Schlange von Menschen, die alle in den kleinen Hofladen wollten.
Die Verkäuferinnen waren unglaublich freundlich und hinter dem Farm Shop gibt es viele Sitzmöglichkeiten, an denen man in Ruhe essen oder etwas trinken kann. Der Laden selbst ist liebevoll eingerichtet und überall entdeckt man Produkte, die man aus der Serie kennt. Nach so vielen Jahren, in denen wir die Entstehung des Hofladens im Fernsehen verfolgt hatten, war es ein wirklich besonderes Gefühl, nun selbst dort zu stehen.
Stow-on-the-Wold
Den restlichen Tag verbrachten wir in Stow-on-the-Wold, einem der schönsten Orte der Cotswolds.
Das Highlight ist ohne Zweifel die St. Edward’s Church. Die kleine Holztür auf der Rückseite der Kirche wird von zwei uralten Eiben eingerahmt, deren Äste die Mauern förmlich verschlingen. Es sieht tatsächlich so aus, als würde sich hinter der Tür der Eingang nach Mittelerde verbergen.
Kein Wunder, dass viele Besucher sofort an Der Herr der Ringe oder Der Hobbit denken. Ganz egal, ob Tolkien sich davon inspirieren ließ oder nicht – dieser Ort besitzt eine ganz besondere Magie.
Snowshill
Nur wenige Kilometer weiter liegt Snowshill. Im Vergleich zu den bekannten Orten der Cotswolds wirkt das Dorf fast vergessen – und genau das macht seinen Reiz aus.
Keine großen Geschäfte, kaum Touristen und stattdessen wunderschöne Natursteinhäuser, kleine Vorgärten und schmale Straßen. Hier scheint die Zeit tatsächlich ein wenig stehen geblieben zu sein.
Wir liefen einfach ohne Ziel durch den Ort und genossen die Ruhe. Manchmal braucht es gar keine Sehenswürdigkeiten. Manchmal reicht einfach ein wunderschönes Dorf.
Broadway Tower
Zum Abschluss des Tages ging es noch hinauf zum Broadway Tower.
Schon die Fahrt dorthin führt durch wunderschöne Landschaften. Rund um den Turm laden zahlreiche Wanderwege zu kleinen Spaziergängen ein. Direkt daneben befindet sich sogar ein Damwildgehege, in dem wir mehrere Rehe beobachten konnten.
Nach unserem Spaziergang holten wir uns noch einen Kaffee und setzten uns in den kleinen Picknickpark vor dem Café. Die Sonne schien, kaum Menschen waren unterwegs und wir ließen den Tag einfach ganz entspannt ausklingen.
The Farmer’s Dog
Natürlich durfte auch ein Besuch im The Farmer’s Dog nicht fehlen. Falls ihr dort essen möchtet, solltet ihr unbedingt früh reservieren. Die Tische werden ungefähr einen Monat vorher freigeschaltet und sind oft innerhalb kürzester Zeit vergeben. Wir hatten das leider verpasst und bekamen nur noch einen Tisch um 21 Uhr, nachdem einen Tag davor jemand abgesagt hatte. Zuerst dachte ich: Mist, viel zu spät. Im Nachhinein war genau das unser Glück. Als wir ankamen, war der große Andrang bereits vorbei und als wir den Pub später verließen, hatten wir ihn fast für uns allein. So konnten wir uns alles ganz in Ruhe ansehen.
Vor unserem Besuch hatte ich ehrlich gesagt erwartet, dass das Essen hauptsächlich vom Namen lebt. Ich hätte nicht falscher liegen können. Der Pie war mit Abstand der beste, den ich während unserer gesamten Englandreise gegessen habe. Wirklich unglaublich lecker. Auch die Atmosphäre hat uns begeistert. Nach all den Jahren, in denen wir den Pub in Clarkson’s Farm entstehen sahen, selbst dort zu sitzen, war ein ganz besonderes Gefühl. Sogar das große Festzelt war bereits aufgebaut, auch wenn es um diese Uhrzeit natürlich schon geschlossen war. Jeremy haben wir leider nicht getroffen – aber allein dort gewesen zu sein, war für mich schon etwas ganz Besonderes.
Oxford
Den Namen Oxford kennt vermutlich jeder. Die berühmte Universitätsstadt steht weltweit für Bildung und Geschichte. Doch als wir durch die Straßen liefen, merkten wir schnell, dass Oxford noch viel mehr ist. Überall stehen beeindruckende historische Gebäude, wunderschöne Innenhöfe und alte Bibliotheken, die aussehen, als wären sie direkt einem Film entsprungen.
Besonders beeindruckt hat uns auch das Ashmolean Museum, eines der ältesten öffentlichen Museen der Welt. Dort entdeckten wir viele Schätze aus Ländern, die wir teilweise selbst schon bereist hatten. Das machte den Besuch noch spannender.
Ein weiteres Highlight war natürlich das New College. Hier wurden Szenen für Harry Potter gedreht, unter anderem der berühmte Innenhof mit dem großen Baum. Ehrlich gesagt wusste ich das vorher gar nicht. Lustigerweise trug ich an diesem Tag einen Ralph-Lauren-Pullover, der farblich stark an Gryffindor erinnerte. Erst als ich die vielen Blicke bemerkte, fiel mir auf, warum. Im Nachhinein würde ich sagen: ungewollt perfekt getroffen. Aber selbst wer kein Harry-Potter-Fan ist, wird von der Architektur dieses Ortes begeistert sein.
Tea Time
Schon in Schottland haben wir die englische Tea Time lieben gelernt. Doch England hebt diese Tradition noch einmal auf ein ganz anderes Niveau. Fast überall findet man wunderschöne Tearooms mit frischen Scones, Clotted Cream und einer riesigen Auswahl an Teesorten.
Eine unserer schönsten Tea Times hatten wir in einem Golfclub ganz in der Nähe von Highclere Castle, dem Schloss aus Downton Abbey. Die Preise waren überraschend normal und die Atmosphäre einfach herrlich entspannt.
Ein kleiner Funfact: Highclere Castle befindet sich bis heute in Privatbesitz und ist deshalb nicht das ganze Jahr über geöffnet. Leider hatten wir genau den falschen Zeitpunkt erwischt und konnten das Schloss nur aus der Ferne während einer Wanderung bewundern. Trotzdem war es ein besonderer Moment, den berühmten Drehort wenigstens einmal mit eigenen Augen zu sehen.
Bombay Sapphire Distillery
Ein weiterer Stopp führte uns zur Bombay Sapphire Distillery. Allein das Gelände ist wunderschön. Die historischen Backsteingebäude liegen direkt an einem kleinen Bach, dessen leises Plätschern sofort für eine entspannte Atmosphäre sorgt.
Auf die eigentliche Führung verzichteten wir dieses Mal, da wir kurz zuvor bereits mehrere Brennereien in Schottland besucht hatten. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, uns einen Drink zu gönnen und einfach die Sonne zu genießen. Wer noch keine Destillerie besichtigt hat, für den lohnt sich die Tour mit Sicherheit.
Bluebell Woods
Ganz in der Nähe entdeckten wir noch einen Wald, der uns vollkommen überrascht hat. Zwischen den Bäumen erstreckten sich tausende lilablaue Bluebells, so weit das Auge reichte. Einer der bekanntesten Orte dafür ist Micheldever Woods, doch überall in Südengland gibt es während der Blütezeit solche Wälder.
Es wirkt fast so, als hätte jemand einen violetten Teppich durch den gesamten Wald gelegt. Sofort fühlte ich mich an Am grünen Rand der Welt erinnert. Ein wunderschöner Ort, den man einfach erlebt haben muss.
Worthing Pier
Bevor es wieder nach Hause ging, verbrachten wir unseren letzten Tag noch am Worthing Pier. Wir spazierten gemütlich am Meer entlang, ließen die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren und genossen ein letztes Mal die frische Meeresluft.
Es war der perfekte Abschluss einer Reise, die uns mehr begeistert hat, als wir es je erwartet hätten.
Unser Fazit
England hat mich vollkommen überrascht. Natürlich gibt es die bekannten Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, doch das eigentliche Herz des Landes schlägt für mich auf dem Land und an der Küste.
Ich habe die unzähligen grünen Wiesen geliebt, die alten Natursteinhäuser, die kleinen Dörfer und die Küsten, an denen man manchmal stundenlang unterwegs sein kann, ohne vielen Menschen zu begegnen. Alles wirkt unglaublich harmonisch. Die Häuser folgen fast alle demselben traditionellen Baustil und genau das verleiht den Orten ihren unverwechselbaren Charme.
Auch die Menschen haben wir als unglaublich herzlich und freundlich erlebt. Egal ob im Pub, im Café oder beim Spaziergang – überall wurde man freundlich begrüßt und kam schnell ins Gespräch.
Die Mischung aus beeindruckender Küste, idyllischem Landleben und jahrhundertealter Geschichte hat mich tief beeindruckt. England bewahrt seine Traditionen mit einem Stolz, den man an jeder Ecke spürt. Genau das macht dieses Land für mich so besonders.
Als wir schließlich wieder nach Hause fuhren, stand für mich bereits fest: Das war ganz sicher nicht unsere letzte Reise nach England. Dafür gibt es noch viel zu viele kleine Dörfer, wunderschöne Küsten und gemütliche Pubs zu entdecken.